Direkt zum Seiteninhalt

Warum Borkenkäfer gut für Spechte sind - Schadorganismen

Logo der Webseite www.arboristik.de
Menü überspringen
Menü überspringen
Onlinemagazin für  Arboristik, Baumpflege, Baumschutz - Berichte und Meinungen rund um das Thema Baum und Natur
Menü überspringen
kleines Logo
Menü überspringen
Info anfordern:

Warum Borkenkäfer gut für Spechte sind
Der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus) baut Höhlen ins Totholz und davon profitieren auch andere Tiere.
Der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus) baut Höhlen ins Totholz und davon profitieren auch andere Tiere. Foto: Marco Basile
(2.12.2025) Borkenkäfer haben zu Unrecht einen schlechten Ruf. Zwar haben sie in den letzten 20 Jahren in Zentraleuropa und teilweise in der Schweiz große ökonomische Schäden verursacht, jedoch fördern sie auch die Artenvielfalt der Wälder. Das zeigt eine neue Studie der WSL , die auf 30 Jahren Monitoringdaten basiert. Die Forschenden haben erstmals gezeigt, dass es nach einem starkem Borkenkäferbefall mehr Spechte im Wald gibt. Sogar sieben bis neun Jahre lang war dieser Anstieg nachzuweisen, wie die Forschenden im Fachjournal Journal of Animal Ecology berichten. Der Grund ist, dass die Spechte Totholz, wie es nach einer massenhaften Vermehrung von Borkenkäfern übrig bleibt, als Nahrung, Schutz und Nistplatz benötigen.

Die Forschenden hatten für die Studie fast 30 Jahre schweizweite Monitoringdaten zusammengetragen, die vom Schweizerischen Landesforstinventar (LFI) ↗ und von Waldschutz Schweiz (WSS) ↗, die beide von der WSL betrieben werden, sowie von der Schweizerischen Vogelwarte stammten. In diesen Daten suchten die Forschenden mithilfe von Computermodellen nach Hinweisen, wie Borkenkäferbefall und Spechtpopulationen zusammenhängen. Von den drei untersuchten Spechtarten fanden sie beim Dreizehenspecht die stärksten Zusammenhänge.

Der Dreizehenspecht ernährt sich von Borkenkäfern und aus früheren Studien war bekannt, dass ein Borkenkäferbefall zu einer höheren Populationsdichte führt. Es war jedoch nicht klar, ob diese kurzfristig steigt, weil sie die Borkenkäfer fressen, oder ob ein langfristigerer Zusammenhang besteht, dass also die Spechte zusätzlich vom Totholz profitieren, das nach einem Borkenkäferbefall entsteht. Mit dieser Studie konnten sie zeigen, dass die Spechte tatsächlich für längere Zeit vom Lebensraum Totholz profitierten.

Die Forschungsarbeit zeigt außerdem den Wert von langfristiger Wissenschaft, die oft schwierig zu finanzieren ist, erklärt Marco Basile, Ökologe und Vogelexperte: «Diese Daten helfen uns, ökologische Fragen zu beantworten, die wir mit kurzfristigen Studien von ein oder zwei Jahren nicht beantworten könnten», meint er.

Zwei Dreizehenspechte auf einem Baumstamm mit abblätternder Rinde, umgeben von Nadelbaumzweigen.
Ein Borkenkäferbefall erhöht für mehrere Jahre die Anzahl Spechte im Wald. Foto: Marco Basile

Verborgenes Leben im Totholz

Ein Borkenkäferbefall kann die Artenvielfalt im Wald auch insgesamt fördern, da es viele Arten gibt, die für ihren Lebenszyklus auf Spechte angewiesen sind. Sie bauen Höhlen-Strukturen in Bäume, die von vielen anderen Tieren wie Insekten, Wespen, Bienen, Käfer, Fledermäuse, kleine Säugetiere und Eichhörnchen zum Nisten, als Schutz und als Versteck genutzt werden können. Totholz ist also ein sehr wichtiger Bestandteil der Waldgesundheit.

Die Forstwirtschaft hat die Wichtigkeit von Totholz für die Biodiversität erkannt und fördert es bereits gezielt. Diese Bemühungen zeigen Wirkung und in den Schweizer Wäldern liegt heute mehr Totholz als noch vor wenigen Jahren.
(Sofía Morgade | WSL)

Publikation
Basile M., Pasinelli G., Stroheker S., Abegg M., Bollmann K., Gossner M.M., … Brockerhoff E.G. (2025) Large-scale importance of bark beetle outbreaks for standing deadwood and woodpeckers. J. Anim. Ecol. 94(9), 1650-1664. doi.org/10.1111/1365-2656.70096 Institutional Repository DORA
Zurück zum Seiteninhalt