50 Nationalerbe-Bäume im Porträt

Cover: Quelle & Meyer
Andreas Roloff
Alt wie Methusalem - Eine Reise zu den Jahrhundert-Bäumen Deutschlands
50 Nationalerbe-Bäume im Porträt
296 S., 279 farb. Abb., 8 Tab., 51 Karten, geb., 21 x 28 cm
ISBN 978-3-494-02272-7
29.95 €
(12.2.2026) Dieses Buch von Andreas Roloff in Zusammenarbeit mit der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft ist im Rahmen einer Initiative namens »Nationalerbe-Bäume« ↗ entstanden. Es stellt 50 alte und herausragende Bäume, die dieses Prädikat bisher erhalten haben, detailliert vor. Jedes Porträt zeigt den jeweiligen Baum im Großformat und gibt Informationen über die Baumart, den Standort, Alter, Umfang, Höhe, die GPS-Daten sowie seine Besonderheiten. Diese Hommage an all die bemerkenswerten Bäume soll ihren unschätzbaren Wert verdeutlichen und jeden für diese schützenswerten Naturdenkmäler begeistern.
Ältere Bäume geraten zunehmend in den Fokus, weil es immer weniger davon gibt und das Bewusstsein für ihren biologischen, ökologischen, kulturellen und mentalen Wert zunimmt. Aufgrund dessen ist es auch angemessen, dass sie neben mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit auch mehr finanziellen Aufwand erhalten. Damit haben es Kommunen, Privateigentümer und Naturschutzvertreter allerdings oft schwer und müssen diesen Aufwand rechtfertigen. Um den Wert alter oder besonderer Bäume zu würdigen, etablieren sich
gerade neue Begriffe wie starke und Charakterbäume sowie diese Initiative Nationalerbe-Bäume.
Starke Bäume
Der Begriff "stark" bezieht sich auf größere oder dickere Bäume, wobei der Fokus nicht auf Rekordbäumen (Championtrees ↗) liegt. Wenn man durchs Land fährt oder wandert, fallen viele "kleine" Brüder/Schwestern von Championtrees auf. Sie sind besonders interessant und schön. Der Begriff stark bezieht sich dabei auf die Wirkung dieser Bäume. Dabei kann es sich um das subjektive Empfinden des Betrachters handeln. Die mehrdeutige Interpretation des Begriffes "stark" ist also beabsichtigt. So kann auch ein 420-jähriger Buchsbaum mit nur 80 cm Stammumfang ein starker Baum sein.
Stark in der Wirkung, die das Besondere betont, kann ein Baum z.B. sein durch: Sein Alleinwachsen als Solitär, Mehrstämmigkeit, ein hohes Alter, einen besonders dicken Stamm, einen mythologischen/magischen Ort.
Charakterbäume
Für einen Teil dieser starken Bäume trifft sicher auch der Begriff Charakterbaum zu: als solche werden seit kurzem markante Einzelbäume bezeichnet, die besondere individuelle Merkmale aufweisen (ROLOFF 2017, HARTIG & ROLOFF 2018), z.B.:
Asymmetrie der Krone, einen schiefen oder gebogenen Stamm, „Defekte“ wie Stammrisse -beulen oder -löcher, Zwiesel, Totäste, besondere Rindenstrukturen, Symptome der Lebensgeschichte.
Nationalerbe-Bäume
Alte Bäume sollen mehr gewürdigt, geschätzt und geschützt werden. Langlebige Baumarten (ROLOFF 2018, 2019, S. 25) können ein Höchstalter von über 400 Jahren erreichen. Dazu zählen: Eibe, Trauben-Eiche, Ginkgo, Kastanie, Sommer-/Winter-Linde, manchmal auch Platane, Riesenmammutbaum und Flatter-Ulme. Sie stellen den größten Anteil unter den Baum-Naturdenkmalen. Das macht deutlich, welche Verantwortung wir für solche alten Bäume haben.

Naturdenkmal Flatterulme in Bierde ↗ im August 2020. Foto: HerrMoritz, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Es ist beeindruckend, dass sie so lange alle Ereignisse, Veränderungen und Variabilitäten von Standort, Umfeld und Klima tolerieren können. Demzufolge haben sie ein hohes Anpassungspotenzial. Bäume mit hohem Alter sind Kulturgeschichte. Schon bestehende Schutzkategorien reichen nicht für solche national herausragenden Einzelbäume, da sie lokal oder regional sind und zudem spürbar von den verfügbaren Finanzen und Prioritäten der zuständigen Bearbeiter abhängig sind. Die Kategorien bezwecken einen Flächenschutz, was z. B. bei den Ivenacker Eichen sinnvoll ist. Es gibt wohl keine über 1000-jährigen Bäume mehr. Die Sicherheitserwartung an alte Bäume ist aus unserer Sicht ein Grund dafür. Sie werden zu häufig "zurechtgesägt", damit nichts mehr herunterfallen kann, und sterben so oft ab. Weitere Ursachen in der Stadt können Standortprobleme, Baumaßnahmen oder Beschädigungen von Wurzeln sein.