Weißtanne – wichtige Zukunftsbaumart in Zeiten der Klimakrise - Waldwissen

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Weißtanne (Abies alba), eine wichtige Zukunftsbaumart in Zeiten der Klimakrise
Weißtannen stocken zwischen abgestorbenen Fichten
Wald aus Weißtannen (Abies alba), Fichten (Picea abies) und Rotbuchen (Fagus sylvatica) in den Schlesischen Beskiden, Polen.
Foto: Crusier, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
(4.6.2023) Durch die Klimakrise sind die Wälder in größter Gefahr, insbesondere Fichtenwälder sind betroffen und sterben teilweise großflächig ab. Bei einer Pressefahrt bei Mauth im Bayerischen Wald zeigt der BUND Naturschutz auf, wie wichtig die Verjüngung der labilen Fichtenwälder mit Weißtanne (Abies alba) ist, da sie die klimastabilste heimische Nadelbaumart ist.

„Die Weißtanne ist eine echte Hoffnungsträgerin, die vor allem die labile Baumart Fichte in vielen Regionen ein Stück weit ersetzen kann“, so Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BN. Bei der Pressefahrt zeigte der BN zusammen mit dem örtlichen Forstbetrieb Neureichenau, dem Bayerischen Forstverein und der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft wie man mit einer konsequenten Jagd und mit waldbaulicher Expertise die Verjüngung der Weißtanne sicherstellen kann.

Der BN richtet dabei einen eindringlichen Appell an die Regierungsfraktionen am Grundsatz Wald vor Wild festzuhalten und diesen zu unterstützen. „Die Regierungsfraktionen müssen durchsetzen, dass in Fichtengebieten vor allem in Nordost- bzw. Ostbayern und in Südbayern eine Waldverjüngung mit hohen Weißtannenanteilen aufwachsen kann, bevor es auch hier zu den zu erwartenden flächigen Absterbeerscheinungen kommt. Waldverjüngung dauert viele Jahre, aber die Klimakrise wartet nicht. Deshalb müssen die Regierungsfraktionen sofort handeln und eine entsprechende Bejagung für mehr Weißtanne sicherstellen“, so Weiger. Mittel- und langfristig soll die Tanne als Bauholz die Fichte Zug um Zug ersetzen und so auch die notwendige „Bauwende“ mit mehr Holzbau anstatt Beton und Stahl ermöglichen. Der BN fordert von der Staatsregierung eine Verwertungsschiene für Tannenholz zu entwickeln, um damit den Absatz gerade für den Holzbau zu sichern.

Jagd muss in vielen Gebieten Bayerns der Weißtanne helfen

Es steht zu erwarten, dass viele fichtenreiche bayerische Waldgebiete mit fortschreitender Klimakrise ähnlich betroffen sein werden wie die heutigen Hauptschadensgebiete, wie z.B. der Frankenwald. Dies heißt, dass ähnlich wie hier im Bayerischen Wald in Mauth die Weißtanne deutlich häufiger aufwachsen muss und der Grundsatz Wald vor Wild in anderer Qualität umgesetzt werden muss. Dies betrifft vor allem den Frankenwald, das Fichtengebirge, den Steinwald, den Oberpfälzer Wald, das Tertiär¬hügel-land, das Alpenvorland und das bayerische Hochgebirge.

Hoffnungsträgerin Weißtanne – immer noch zu selten

Die Fichte ist die große Verliererin im Klimawandel, während die Tanne immer mehr zur Hoffnungsträgerin wird, da sie trockenresistenter und sturmfester ist. Die größten Tannenvorkommen in Bayern liegen in den Bergmischwäldern des Hochgebirges und der Mittelgebirge wie im Bayerischen Wald. In diesen Gebieten kann die Tanne die heute noch vorherrschende Fichte ein Stück weit ersetzen. Doch infolge der Waldbewirtschaftung und insbesondere überhöhter Schalenwildbestände ist die Tanne deutlich zurückgegangen. Die Ausbreitung und das Aufwachsen werden vielerorts durch zu hohe Bestände an Rehen und Hirschen verhindert, die die kleinen Tannen auffressen. Der aktuelle Anteil der Tanne am Wald in Bayern beträgt gerade noch zwei Prozent, im Staatswald des Bayerischen Waldes immerhin acht Prozent.

BaySF-Forstbetrieb Neureichenau: Modell für Weißtannen-Verjüngung

Von der gesamten Waldfläche des Forstbetriebes Neureichenau mit über 18.000 Hektar liegen rund 12.000 Hektar im Bayerischen Wald. Es ist ein weitgehend geschlossener, sehr naturnaher Waldkomplex, der auch direkt an die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Sumava angrenzt. Unter dem Schirm des alten Waldes wachsen hier ohne jegliche Schutzmaßnahmen junge, tannenreiche Mischwälder nach – der Anteil der Tanne im Exkursionsgebiet am Fuße des Großen Almberges bei Mauth beträgt über 20 Prozent. Der BN ist in diesem Bereich des Europäischen Grünen Bandes auch im Waldumbau aktiv.

Jagddefizite seit Jahrzehnten bekannt, aber vielerorts nicht beseitigt

Seit Horst Sterns Weckruf am Weihnachtsabend 1971 mit dem Fernsehbeitrag „Bemerkungen über den Rothirsch“ wurden die hier weit überhöhten Rotwildbestände auf ein waldverträgliches Maß von rund einem Stück pro 100 Hektar reduziert. Zwischenzeitlich ist der Luchs hier wieder heimisch und auch der Wolf kehrt langsam zurück. Aktuell steigen die Rotwildbestände aber wieder an. Zwingend notwendig ist daher ein grenzüberschreitendes Rotwildmanagement als Basis für eine effektive Rotwildbejagung, das die unterschiedlichen Zielsetzungen der Wirtschaftswälder und der beiden Nationalparke angemessen berücksichtigt. Dennoch ist es am Forstbetrieb Neureichenau gelungen ein ausgewogenes Wald-Wild-Verhältnis zu halten bzw. zu erreichen. In Bayern ist dies aber nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme. Dies zeigen die weit überhöhten Rotwildbestände in Teilen des Hochgebirges, des Fichtelgebirges oder in Spessart und Rhön.

Forderungen des BUND Naturschutz für mehr Weißtannen:

• verstärkte Verjüngung, v.a. Naturverjüngung der Tanne insbesondere im Bergmischwald des Hochgebirges und der Mittelgebirge und in Südbayern. Damit dies gelingt, müssen die jagdlichen Anstrengungen vielerorts intensiviert werden.

• deutliche Reduktion überhöhter Rotwildbestände innerhalb der nächsten fünf Jahre auf eine waldverträgliche Dichte von etwa 1-2 Stück/100 Hektar

• auf der Landesebene geht es insgesamt darum, in und auch außerhalb der Rotwildgebiete, überhöhte Rehwildbestände so anzupassen, dass Weißtannen ohne Schutzmaßnahmen hochwachsen können und damit auch andere wichtige Mischbaumarten wie Eichen, Buchen oder Edellaubbaumarten

• eine verstärkte Berücksichtigung der jagdlichen Kompetenz bei Stellenbesetzungen im Revier- und Leitungsdienst im Staatswald

• konsequenter Vollzug von Jagd- und Waldgesetz in dauerhaft „roten“ Jagdrevieren und Hegegemeinschaften mit zu hohem Wildverbiss. Dies bedeutet dort Abschüsse entsprechend zu erhöhen und deren Vollzug zu kontrollieren durch einen körperlichen Nachweis.
(kes | BN Naturschutz)
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