Paintball-Einsatz gegen Eichenprozessionsspinner - Waldwissen

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Paintball-Einsatz gegen Eichenprozessionsspinner
EPS-Nest
Nest mit Raupen des Eichenprozessionsspinner. Foto: Pixabay
(13.7.2023) Wald und Holz NRW testete in Saerbeck (Regionalforstamt Münsterland) eine innovative Methode für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners (EPS). Der Schädling hat sich landesweit in den letzten Jahren verstärkt ausgebreitet. Der Kontakt zu den Raupen des Falters kann starke allergische Reaktionen auslösen. Gleichzeitig schwächt der Blattfraß die Vitalität von befallenen Bäumen.

Mit Paintball-Markierern wollen die Forscherinnen und Forscher die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners effektiv eindämmen. Statt Paintball-Farbkugeln schießen die Wissenschaftler von Wald und Holz NRW Sexuallockstoffe in die Baumkronen, um die frisch geschlüpften männlichen Falter zu verwirren. Das Ziel ist, dass sich der Raupenbefall im nächsten Frühjahr deutlich verringert.

Thomas Kämmerling, Leiter Wald und Holz NRW: „Wir gehen davon aus, dass die Eichenprozessionsspinner vom Klimawandel profitieren und sich in den nächsten Jahren ausbreiten werden. Als zertifizierter Betrieb sind uns Bekämpfungsmethoden, die ohne Pflanzenschutzmittel auskommen besonders wichtig. Ich bin gespannt auf das Ergebnis dieses ungewöhnlichen Versuchs, von dem dann auch kommunale und private Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer profitieren.“

Das Pheromon wird gezielt in die Krone geschossen
Mit Hilfe von Paintball-Markierern kann das Pheromon gezielt in die Eichenkronen gebracht werden. Foto: Nicole Fiegler/ Wald und Holz NRW
Falterfallen werden angebracht
Die Forscher vom Team Wald und Klimaschutz bringen Falterfallen in befallenen und nicht-befallenen Eichen an.
Foto: Nicole Fiegler/ Wald und Holz NRW
Verwirrte Falter vermehren sich nicht

Die Methode funktioniert nur während der Paarungszeit der Tiere. Nur wenn es gelingt, die hochkonzentrierten synthetischen Pheromone zum passenden Zeitpunkt in die Baumkronen zu bringen kann die Paarung gestört werden. Die männlichen Falter haben durch das Überangebot der Sexuallockstoffe erhebliche Schwierigkeiten die Weibchen zu orten. Wenn die Weibchen nicht befruchtet werden, schlüpfen im Folgejahr deutlich weniger Eichenprozessionsspinner-Raupen.
„Wir sind vor allem daran interessiert, eine alternative Eindämmungsmaßnahme zu finden, die in vielen Bereichen gut funktioniert,“ sagt Dr. Ole Theisinger, Zentrum für Wald und Holzwirtschaft. „Wichtig ist der möglichst geringe Einfluss auf andere Arten und das Ökosystem. Wir sind guter Hoffnung, dass die Verwirrmethode diese Voraussetzungen erfüllt.“

Trichterfalle in einer Eichenkrone
Die Auswertungen von gefangenen männlichen Faltern in den Trichterfallen bringen hilfreiche Forschungsergebnisse.
Foto: Nicole Fiegler/ Wald und Holz NRW
Dr. Ole Theisinger, Biologe
Dr. Ole Theisinger – der Biologe ist im Team Wald- und Klimaschutz des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft verantwortlich für das Pilot-Projekt. Foto: Nicole Fiegler/ Wald und Holz NRW
„Wir sind vor allem daran interessiert, eine alternative Eindämmungsmaßnahme zu finden, die in vielen Bereichen gut funktioniert,“ sagt Dr. Ole Theisinger, Zentrum für Wald und Holzwirtschaft. „Wichtig ist der möglichst geringe Einfluss auf andere Arten und das Ökosystem. Wir sind guter Hoffnung, dass die Verwirrmethode diese Voraussetzungen erfüllt.“

Eine pastenartige Trägersubstanz aus Wachsen, Ölen und Emulgatoren wird mit dem synthetisierten Pheromon des Eichenprozessionsspinners angereichert und maschinell in Gelatinekugeln gehüllt. Diese Kugeln werden mit Paintball-Markierern in die Eichen geschossen und zerplatzen dort. Die Pheromonpaste verteilt sich und das Pheromon wird über einen längeren Zeitraum langsam abgegeben. Die Trägersubstanz an sich ist ungiftig und vollständig biologisch abbaubar. Das Pheromon ist leicht flüchtig und wirkt artspezifisch. Deshalb sind hier keine negativen Auswirkungen auf andere Insektenarten oder die Umwelt zu erwarten.

„Wir beschäftigen uns schon seit 2019 mit der Idee, Pheromone gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS) einzusetzen. Allerdings fehlte es bisher an einer technischen Lösung für das Ausbringen der Lockstoffe. Diese steht nun zur Verfügung“, erklärt Dr. Ole Theisinger, Team Wald- und Klimaschutz im Zentrum für Wald und Holzwirtschaft.

Mit ähnlichen Verwirrmethoden werden im Obst- und Weinbau schädliche Schmetterlingsarten bekämpft. Die Forscherinnen und Forscher von Wald und Holz NRW adaptieren die Methode für den Eichenprozessionsspinner. In den Niederlanden wurde die Methode bereits 2020 erstmalig am Eichenprozessionsspinner getestet. In den behandelten Eichen fanden die Forschenden im Folgejahr rund 50 Prozent weniger Schädlingsnester, im Vergleich zu unbehandelten Bäumen.

Das Pilotprojekt läuft dieses Jahr an sieben Orten in Nordrhein-Westfalen. Ergebnisse aus diesem Versuch sind im Sommer 2024 zu erwarten. Anschließend soll ein bundesweites Projekt im Verbund mit internationalen Partnern daraus entstehen, um die Praktikabilität für weitere Anwendungsbereiche zu erforschen.
(Wald und Holz NRW)

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