Hohenheimer Liebesplatane wird Nationalerbe-Baum - Bäume

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Hohenheimer Liebesplatane ist Nationalerbe-Baum
Mächtiger Stamm der Hohenheimer Platane. Foto: Universität Hohenheim / Helmut Dalitz
Mächtiger Stamm der Hohenheimer Platane. Foto: Universität Hohenheim / Helmut Dalitz
(8.5.2023) Bei bestem Frühlingswetter im Arboretum Exotischer Garten der Uni Hohenheim hat die Ausrufung der Platane viel Freude bereitet. Der Riesenbaum war, wie die rund 130 Teilnehmer:innen, in Festtagslaune. Die Begrüßungsworte des Unirektors und des Leiters der Hohenheimer Gärten ließen deren Stolz über diesen prächtigen Baum erahnen. Grußworte der Staatssekretärin Dr. Gisela Splett, die Plieninger Bezirksvorsteherin Andrea Lindel und Michael von Winning von der Eva-Mayr-Stihl Stiftung schlossen sich an. Klassische Streichmusik gab den musikalischen Rahmen.

In den Reden wurde die spannende Lebensgeschichte dieser Platane eindrucksvoll dargestellt, und der Baum hat mittels Schalltomographie seine Entstehung preisgegeben - er muss wohl aus zwei dicht beieinander gepflanzten Bäume entstanden sein, das erklärt auch seine ovale Stammform, die im Querschnitt an eine Acht erinnert. Mittlerweile ist er bis in fast 4 m Stammhöhe vollständig miteinander verwachsen, also heute ein einziger Baum.

Herzog Carl Eugen von Württemberg pflanzte die Platane 1779 als Geste der Zuneigung für seine Frau Franziska. Heute zählt sie mit 244 Jahren zu den ältesten ihrer Art und leistet einen besonderen Beitrag zum Artenschutz: Sie bietet Vögeln und bedrohten Insekten einen wertvollen Lebensraum. Als einer von 100 Bäumen in Deutschland wird die Platane nun am 6. Mai 2023 als „Nationalerbe-Baum“ gewürdigt. Die Initiative der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft hat das Ziel, ausgewählte Baumriesen zu schützen und zu pflegen, um ihnen ein Altern in Würde zu ermöglichen.

Fast acht Meter Umfang misst ihr Stamm, bevor er sich teilt und als Doppelstamm über 30 Meter in die Höhe ragt: Das Symbol zweier Liebender, im Stamme vereint und doch im Geäst zwei eigenständige Persönlichkeiten geblieben. Herzog Carl Eugen ließ dieses Liebessymbol 1779 zu Ehren seiner Frau Franziska pflanzen, wodurch die Hybridplatane in den Hohenheimer Gärten auch Franziskaplatane oder Liebesplatane genannt wird. Durch ihr hohes Alter ist sie heute besonders bei seltenen Tierarten beliebt.

Vögel und S21-Käfer: Der Uralt-Baum ist ein seltener Lebensraum

„Pilze und Höhlen sind ganz normale Alterserscheinungen bei Bäumen. Diese Höhlen sind sehr wertvoll“, erklärt Dr. Helmut Dalitz, wissenschaftlicher Leiter der Hohenheimer Gärten. Denn die Höhlen in Altbäumen sind mittlerweile selten gewordene Nist- und Schutzorte für höhlenbrütende Vögel, Siebenschläfer, Fledermäuse oder Eulen. Das liegt vor allem daran, dass sehr alte Bäume in Deutschland selten geworden sind. Und auch Stuttgarts liebster Käfer, der Juchtenkäfer, auch Eremit genannt (Omosderma eremita) bewohnt die alte Platane: Für die Holzmulm fressenden Larven des Käfers sind die Faulhöhlen der Baum-Greisin ideal.
Lebensverlängernde Maßnahmen: Die Pflege der Baum-Greisin ist aufwendig

Damit die Alterserscheinungen nicht zum Problem werden, wird die Ahornblättrige Platane (Platanus x hispanica) zweimal im Jahr von den Spezialisten der Hohenheimer Gärten streng unter die Lupe genommen. Ein Baumgutachten hält mögliche Probleme wie trockene Äste oder Hohlstellen im Stamm fest, nötige lebensverlängernde Maßnahmen folgen. Vom Gutachten über die Pflege bis zur Gabe von Nährstoffen im Wurzelbereich: Bäumen ein Altern in Würde zu ermöglichen, ist aufwendig und teuer.

Auch deswegen freut sich Helmut Dalitz, dass die Platane zum Nationalerbe-Baum wird. Denn die Auszeichnung garantiert der Baum-Greisin besonderen Schutz. „Wir haben für solche alten Bäume eine hohe Verantwortung, sie sind ein wichtiger Lebensraum. Wir müssen alles daran setzen, sie der Nachwelt zu erhalten“, erklärt Prof. Dr. Andreas Roloff, Leiter des Kuratoriums Nationalerbe-Bäume.

Die Initiative der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft will insgesamt 100 besondere Uralt-Bäume in Deutschland schützen und pflegen, um sie so lange wie möglich zu erhalten. Geeignete Pflegemaßnahmen werden von der Eva Mayr-Stihl Stiftung finanziert.
(Hagenau / Elsner, Uni Hohenheim)

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