Hitze Trockenheit und neue Schädlinge - Waldwissen

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Neue Schädlinge, Hitze und Trockenheit belasteten 2022 den Schweizer Wald
Abgestorbene Fichtenbestände
Foto: Pixabay
(1.8.2023) Neben Hitze und Trockenheit machten dem Wald im Jahr 2022 diverse invasive Käfer und andere Schadorganismen zu schaffen. Etliche der beobachteten Insekten und Pilze sind neu in der Schweiz, wie die Kompetenzstelle Waldschutz Schweiz der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in ihrem Waldschutzüberblick mitteilt.

Dank aufmerksamen Bürgerinnen und Bürgern konnte 2022 in Zell (Kanton Luzern) der bislang größte Befall der Schweiz mit dem gefürchteten Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) entdeckt werden. Dieser gilt weltweit als einer der gefährlichsten Laubholzschädlinge, unter anderem, da er sich auf vielen Arten von lebenden Laubbäumen verbreiten kann. Waldschutz Schweiz bestätigte die Identität des Käfers und begleitet die Bekämpfungsmaßnahmen der Behörden wissenschaftlich. Zuletzt wurde 2019 in der Schweiz ein Freilandbefall des Asiatischen Laubholzbockkäfer erfolgreich getilgt.

Weiter entdeckten Forstleute 2022 im Tessin gleich fünf meldepflichtige invasive Ambrosia- und Bockkäferarten. Vier der Käfer sind neue Funde für die Schweiz. Bisher ist wenig bekannt über ihre bevorzugten Baumarten in Europa und darüber, welche Gefahr von ihnen ausgeht. Waldschutz Schweiz ist deshalb an Meldungen mit Foto aus dem Tessin interessiert.

Frisch geschlüpfter ALB in Zell (Kanton Luzern)
Frisch geschlüpfter ALB in Zell (Kanton Luzern) 2022.
Foto: Waldschutz Schweiz

Ebenfalls in der Schweiz auf dem Vormarsch ist der aus Nordamerika stammende Ahornstammkrebs. Der Pilz tauchte erstmals 2021 auf sechs befallenen Bäumen auf. 2022 bestätigte Waldschutz Schweiz total 39 befallene Bäume in sieben Befallsgebieten. Der Ahornstammkrebs kann an Ahornbäumen beträchtliche Schäden verursachen, das Holz ist stark entwertet und die Bäume leicht brechen können. Waldschutz Schweiz empfiehlt daher, bekannte Befälle zu bekämpfen und beschreibt im Waldschutzüberblick 2022 das entsprechende Vorgehen.
Auch 2022 nehmen Hitze und Trockenheit zu

Die Witterung war im Jahr 2022 für Schweizer Wälder wieder eine große Herausforderung. Im warmen Frühling vertrockneten viele junge Douglasien. Sie begannen früh im Jahr mit der Fotosynthese, während sie aus dem noch gefrorenen Boden zu wenig Wasser ziehen konnten. Diese so genannte Frosttrocknis gefährdet besonders junge Pflanzen. Ältere Douglasien sind hingegen recht trockenresistent, weshalb sie eigentlich als Baumart der Zukunft angesehen werden.

Eindrücklich ist zudem wie stark Hitze und Trockenheit im Sommer 2022 das Baumwachstum aller Arten reduzierten, nämlich um 10 bis 50 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt den letzten 10 Jahre. Gemäß den Autoren war 2022 sogar eines der schlechtesten Wachstumsjahre in der Geschichte des Messnetzwerkes TreeNet , das seit 10 Jahren besteht. Entsprechend erlitten viele Bäume Trockenheits- und Hitzeschäden, besonders im Wallis färbte sich das Laub schon früh im Jahr braun.

Ein wärmeres Klima fördert außerdem Pilze und andere Organismen, die aus südlicheren Gebieten stammen. Besonders stark nahmen schwarze Pilzkrusten an toten Buchen zu, die zur Verwandtschaft der Holzkeulen ↗ gehören. Die Vielzahl neuer Schädlinge und Krankheitserreger bedroht das Ökosystem im Schweizer Wald. Heimische Pflanzen verfügen über keine oder nur begrenzte Abwehrmechanismen gegenüber den eingeschleppten Arten. Krankheiten wie die Ulmenwelke, das Eschentriebsterben und dem Buchsbaumzünsler verursachen daher gravierende Schäden.

Borkenkäferschaden 2022
Älteres Borkenkäfernest 2022 (Kanton Jura).
Foto: Waldschutz Schweiz
Südliche Kohlenbeere auf einem Buchenast.
Südliche Kohlenbeere auf einem Buchenast.
Foto: Waldschutz Schweiz
Ein Mix von Krankheitsursachen

Ein Übel kommt selten allein: Immer öfter müssen die Expertinnen und Experten sich mit einem Mix von Erregern auf geschwächten Bäumen auseinandersetzen. Wie die verschiedenen Faktoren zusammenspielen und sich gegenseitig beeinflussen ist oft noch unklar. Zum Beispiel beim Schleimfluss, wie das Austreten von schwarzer Flüssigkeit am Stamm bezeichnet wird: Untersuchungen von Waldschutz Schweiz zeigen, dass dieser oft nicht durch einzelne Pilze oder Bakterien ausgelöst wird, sondern vielmehr durch die Gemeinschaft mehrerer Arten. Waldschutz Schweiz hofft deshalb, mit neuen Methoden Bakterien besser zu analysieren und identifizieren. Dadurch sollen einzelne oder Gemeinschaften von krankheitserregenden Bakterien besser erkannt werden. Jedoch könnten die neuen Methoden es auch ermöglichen, Bakterien zu finden, die Bäume vor bestimmten Krankheiten schützen können – ähnlich wie probiotische Joghurts bei Menschen den Darm.
(Tamara Baumann, WSL)

Waldschutzüberblick 2022
Waldschutz Schweiz ist die Fachstelle für Waldschutzfragen an der WSL in Birmensdorf. Basierend auf den Resultaten aus der Beratung und den Rückmeldungen der kantonalen Forstdienste erstellt Waldschutz Schweiz den jährlichen Waldschutzüberblick -  WSL Berichte 135, 2023 (PDF, 13,8 MB)

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