Raubbau an der Natur, wohl eine Frage
des persönlichen Standorts


Von Horst Schunk
Ziemlich vergessen scheint, dass Natur im ureigenen Sinne etwas anderes ist, als viele Menschen heute annehmen. Natur benötigt weder die Menschen, noch seine Eingriffe, Veränderungen, Manipulationen. Selbst unsere gewachsene Kulturlandschaft ist nicht unbedingt unberührte Natur. Natur, das ist auch nicht der Blumenkübel vor dem Haus, der krautfreie Zierrasen, der versiegelte Vorgarten, der klein geschnittene Landschaftsbaum oder eine Monokultur.
Wenn wir eingreifen in die Kreisläufe, Abläufe der Natur, dann sollte dies im Einvernehmen, im Einklang mit ihr sein. Nutzen ohne Zerstören, Nachhaltigkeit anstelle egoistischem Handeln. Verbunden im Denken an kommende Generationen, die auch in der Laqe sein müssen, eigene Entscheidungen zu treffen und eine intakte Umwelt für ihr gesundes Dasein vorzufinden.
Raubbau ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit, das Gegenteil von Zukunftsfähigkeit. Deshalb führt auch überhaupt kein Weg an regenerativen Energien vorbei. Wer auf lebensbedrohende Energien setzt, auf fossile Brennstoffe, deren Ende voraussehbar ist, wer die da mit verbundenen Emissionen für zeitgemäß hält auf die Klimaveränderung verächtlich pfeift, dafür Windkraft und andere Zukunftstechnologien verteufelt, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt oder aber, er ist Lobbyist. So wie einst steif und fest behauptet wurde, die Erde sei eine Scheibe, so mutet mancher Widerstand gegen die Energiewende an.
Sicherlich muss das Aufstellen von Windrädern geregelt werden, nicht überall passen sie hin. Doch grundsätzlich ist ihr Einsatz zu begrüßen, genauso wie das Nutzen der Sonnenenergie. Und spätestens dann, wenn sich diese Techniken weiter verbreitet haben dann wird sich dies auch rechnen. Solange die neuen Umwelttechniken absichtlich rar gehalten werden, können sie nicht preiswerter werden. Vergessen wird, dass bei allen Kosten-/Nutzenrechnungen die langfristigen Kosten der Naturzerstörung bislang überhaupt nicht eingerechnet werden, ein Skandal an sich. Wenn Windkraft Raubbau an Natur sein soll, dann bitte, was ist mit dem täglichen Flächenverbrauch, mit der Bodenversiegelung, mit der Lärmbelastung und dem Schmutz in unserer Atemluft? Wie nennen wir das, wenn kleinste Strecken mit dem Auto zurückgelegt werden und das Suchen nach einem (verbotenen?) Parkplatz länger dauert, als "das zu Fuß gehen"? Wer Windräder oder Photovoltaikanlagen als Klimakiller bezeichnet, kommt mir vor wie einer, der uns erzählen möchte, Rauchen fördere die Lungenleistung. Natürlich können wir versuchen den Bock zum Gärtner zu machen und Tatsachen auf den Kopf stellen. Nützen wird es uns allerdings nicht, weder heute und schon gar nicht morgen. Deshalb hilft uns nur eine vorurteilsfreie, sachliche und fundierte Diskussion, ohne Scheuklappen und immer mit dem Blick nach vorne.

Horst Schunk, Coburg
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