Horst Schunk • Kasernenstraße 22 • 96450 Coburg
An den
Petitionsausschuss
im bayerischen Landtag
Maximilianeum

81627 München
Coburg, 18. Juli 2003 hs

Sehr geehrte Damen und Herren, bitte befassen Sie sich mit folgenden Anliegen und versuchen Sie dabei, eine umweltfreundlichere Lösung für Bayern zu finden:
Es geht um besseren Schutz der Bäume.

Seit Jahren arbeiten die bayerischen Straßenbauämter, aber auch die Landratsämter im Winter getreu nach dem Motto: Viel Baumschnitt bringt viel.


Dabei werden Bäume nicht nur ausgelichtet und "gepflegt", wie behauptet wird, sondern immer häufiger radikal entfernt. Oft auch unfachmännisch entstellt. Dazu kommen vielerorts die modernen Maschinen, die an Grünstreifen vorbei fahren und alles was sich ihnen entgegen stellt, einfach abreißen. Die sieht nicht nur entsetzlich aus, es ist eine Zerstörung der arttypischen Pflanzenformen und eine Verschwendung von öffentlichen Geldern.


Übrigens auch die lauten, unnötigen Laubsauger und Gebläse !! Rückschnitte müssen nach dem Motto ausgeführt werden: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich ! Denn weniger kann auch mehr sein.


Schließlich wurde das Straßenbegleitgrün vor Jahren nicht nur zum Spaß angepflanzt. Straßengrün mindert die Monotonie der Straße, es ist ein kleiner Ausgleich für verloren gegangenes Land und es bietet Lebensräume für allerlei Kleintiere. Letztlich schützt es vor Seitenwind und Schneeverwehungen. Für das Landschaftsbild ist das Grün sowieso unersetzlich. Verkehrssicherheit und Straßengrün müssen keine Gegensätze darstellen. Als langjähriger Fahrlehrer denke ich, mich mit diesen Dingen ein wenig auszukennen. Auch als langjähriger Vorsitzender des Vereins "Baumschutz Coburg e.V."


Des weiteren muss endlich Schluss gemacht werden mit dem systematischen Ausrotten gewisser Baumarten. Beispielsweise die Pappeln. Sie werden überall gnadenlos gefällt, egal ob dies nötig ist oder nicht. Vorsichtshalber sozusagen.


Es werden dann oft falsche Behauptungen aufgestellt, so z.B. Pappeln seien mit 30 Jahren überaltert, was natürlich nicht stimmt. Pappeln werden durchschnittlich 80 bis 120 Jahre alt. Was ihnen zuweilen fehlt, ist eine Pflegeschnitt. Und um den zu umgehen, fällt man diese Bäume einfach. Dabei sind Pappeln am richtigen Standort unverzichtbar. Als Pionierbäume produzieren sie schon nach 20 Jahren genauso viel Sauerstoff wie eine Eiche nach 120 Jahren. Auch hier müssen die ausführenden Organe darauf hingewiesen werden, mehr Sensibilität walten zu lassen. Es kann doch nicht sein, eine ganze Baumart auszurotten!


Es gibt Bundesländer mit mehr Wind als Bayern. Trotzdem stehen dort solch große Bäume entlang von Straßen und Wegen — und sie werden akzeptiert. Es gibt keine guten oder bösen Bäume. Die gesamte Vielfalt der Baumwelt ist für unsere gesunde, lebensfreundliche Zukunft wichtig. Wer vom Klimaschutz, von Luftqualität, von Lebensqualität redet, darf auch den Baumschutz nie vernachlässigen. Das gehört zusammen. Gerade in einer Zeit, wo dieses Thema im Hintergrund steht; bleibt es dennoch ein wichtiges Zukunftsthema für alle Generationen.


Wir wissen auch, welche fatale Folgen das jährliche "Winter-Baum-Fällen" auf Privatleute haben. Sie tun nämlich das gleiche, entgrünen ihre Grundstücke, versiegeln sie mit Betonsteinen und Teer, fällen alle großen Bäume an Teichen, an Seen, Bächen und Flüssen. In Wohnanlagen sowieso!
Und dort, wo überhaupt noch nachgepflanzt wird, kommen kleinkronige Bäume zum Einsatz.
Ein Kugelahorn für eine Pappel. Welch ein Verlust für Landschaftsbild und Kleinklima.


Deshalb bitte ich Sie eindringlich, die Ämter und Organe auf ein baumfreundliches Arbeiten hinzuweisen und vor allem eine öffentliche Aktion bayernweit für die lebensnotwendigen Bäume zu starten. Auf allen Ebenen, auch in Kindergärten, Schulen, Kirchen, Behörden und Verwaltungen.
Nicht nur am "Tag des Baumes" mit schönen Reden und netten Kinderliedern.
Sondern Tag für Tag in der Praxis.
Denn "Tag des Baumes" muss eigentlich immer sein.


Bitte behandeln sie dieses Anliegen nicht als unwichtig, übertrieben oder uninteressant. Es steht viel auf dem Spiel, vor allem wenn man dieses Handeln auf die nächsten Jahre hoch rechnet.


Mit freundlichen Grüßen

Horst Schunk

 

 

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