Kahle Bäume im Sommer
Die Roßkastanien-Miniermotte und ihr zerstörerisches Werk
 
Es ist wieder so weit, vielerorts färben sich die Blätter der Roßkastanien (Aesculus hippocastanum) schon jetzt herbstlich braun. Es handelt sich hierbei um das Schadbild der Roßkastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella), zugehörig der Schmetterlingsfamilie der Blattmotten, Tütenmotten oder Miniermotten (Gracillariidae).
Erstmals nachgewiesen wurde das Schadinsekt 1984/85 am Ohrider See in Mazedonien. (Simova-Tosic & Filev 1985) und als neue Art Cameraria ohridella beschrieben (Deschka & Dimic 1986).
Sehr rasch breitete sich der Schädling im vergangenen Jahrzehnt über weite Teile Mittel- und Osteuropa aus.
 
Späte Reaktion auf den neuen Schädling
 

Bis 1997 wurde die Biologie und Ökologie von Cameraria ohridella kaum erforscht. Einzig bis zu diesem Zeitpunkt hat Pschorn-Walcher (1994) in Österreich Untersuchungen durchgeführt. In Deutschland wurde die Bedeutung dieses neuen Schädlings erst sehr spät erkannt, etwa 4 Jahre nachdem der Schädling hier sesshaft wurde. Übrigens veröffentlichte bereits vor 6 Jahren die Baum-Zeitung aus Minden (als eine der ersten Zeitschriften, wenn nicht sogar als erste Publikation in Deutschland) einen Bericht von Dr. Christian Tomiczek, über das Auftreten der Roßkastanien-Miniermotte in Österreich und ihr Übergreifen auf den bayerischen Raum.
Da die Roßkastanie hierzulande eine forstlich untergeordnete Rolle spielt, begann man erst relativ spät sich mit diesem neuen Schädling auseinander zu setzen. Mittlerweile jedoch ist der wirtschaftliche Faktor deutlich geworden: Weißblütige Roßkastanien lassen sich von Baumschulen kaum mehr verkaufen, viele Medikamenten enthalten Extrakte der Früchte und ein weitere Aspekt ist der des Anblicks bereits im Sommer braun gefärbter Baumkronen in sehr vielen Städten.
Im Gegensatz zu der Weißblütige Roßkastanie (Aesculus hippocastanum) wird die Rotblütige Roßkastanie (Aesculus x carnea) kaum befallen. Diese Roßkastanienart wird zwar ebenfalls von Cameraria ohridella mit Eiern belegt, jedoch sterben die daraus schlüpfenden Larven in der Mehrzahl ab. Gleiches gilt mehr oder weniger auch für andere Roßkastanienarten.
Es ist durchaus kein seltener Anblick, dass Rotblütige Roßkastanien im Sommer noch ein vollkommen grünes Blattwerk vorweisen, während bei der in unmittelbarer Nachbarschaft stehenden Weißblütige Roßkastanien das Blattwerk vollkommen verbräunt ist.
Sehr bedenklich ist allerding, dass unter stark befallenen Kastanien stehender Bergahorn, ebenfalls mit Eiern belegt wird. Der Schädling kann sich hier auch teilweise erfolgreich bis zur Imago entwickeln.

 
Rasche Verbreitung in Deutschland  
 

1992/93 wurde die Roßkastanien-Miniermotte erstmals in Süddeutschland nachgewiesen werden. (Butin & Führer 1994). In München wurde sie sich 1994 heimisch. Bereits 1998 hatte sie den ganzen bayerischen Raum besiedelt (Heitland et al 2000).
1998 wurde sie aus Bonn und Bochum gemeldet. Weite Teile des östlichen Niedersachsens hat C. ohridella im Jahr 2000 besiedelt. Zu diesem Zeitpunkt, war sie (in relativ geringen Dichten) in Bremen, Hamburg und Hannover vertreten. Erste Nachweise für Schleswig-Holstein brachte der Herbst 2000, wo sie u.a. an einem Standort bei Kiel nachgewiesen werde konnte (Heitland & Freise 2001).
 
Einfache Befallsdiagnose, jedoch Verwechslung möglich  
 

Die Bestimmung der Roßkastanien-Miniermotte ist zwar relativ einfach, jedoch kann das Schadbild mit einem Pilz- bzw. mit Steusalzschaden verwechselt werden.
Im Frühjahr ist der Erstbefall anfänglich noch recht unscheinbar. Etwa gegen Mitte Mai in Süddeutschland, nach Norden hin entsprechend später, können die ersten Jungminen auf den Blättern beobachtet werden. Es sind kleine, zumeist kommaähnliche, hellbraune Flecken. Recht schnell nimmt jedoch die Größe der Minen zu.

In der Frühjahrsgeneration finden sich in schweren Fällen mehrere hundert Minen auf einem einzigen Blatt. Die Blätter trocknen durch die Fraßtätigkeit der Larven aus und nehmen eine braune Färbung an. Die Folge ist ein frühzeitiges Abwerfen. Das Ergebnis sind kahle Bäume schon im Sommer.

Ganz eindeutig, so hat es sich herausgestellt, ist die Stärke des Befalls auch eine Standortfrage. So sind Bäume, deren Herbstlaub nicht entfernt worden ist, erheblich stärker befallen als solche, unten denen das Herbstlaub restlos entfernt wurde. So z.B. auf versiegeltem Boden, dort kann das Herbstlaub ohne viel Mühe entfernt werden oder wird durch den Wind verweht. Hierdurch können sich starke lokale Unterschiede ergeben. In München z. B. sind viele Biergärten kaum oder überhaupt nicht betroffen, da dort das Herbstlaub täglich entfernt wird!

Die radikale Entfernung des abgefallenen Herbstlaubes scheint die derzeitig effektivste Lösung des Befallproblems zu sein. Andere, chemische und biologische, Bekämpfungsmöglichkeiten haben noch nicht den entsprechenden Erfolg gezeigt.
Mehr Infos dazu gibt es auf den Seiten von cameraria.

Fazit

Relativ wenig kann über die langfristigen Auswirkungen des starken Befalls bisher gesagt werden. Unbekannt ist ob durch den Befall von C. ohridella schon Bäume abgestorben sind. Dass die Bäume über einen längeren Zeitraum auch starken Befall ertragen, lässt die Tatsache vermuten, dass die Roßkastanien-Miniermotte bereits seit gut einem Jahrzehnt in Östereich auftritt und noch kein Fall eines abgestorbenen Baumes allein durch den Befall von C. ohridella dokumentiert ist.
Gleichwohl, lassen sich gewisse Stressreaktionen an stark befallenen Bäumen nachweisen. So fand sich in Bern und München einen Veringerung des Samengewichtes, teiweise bis zu 50%. Im Herbst wurde wiederholt eine neue Blüte (Notblüten) an befallenen Roßkastanien beobachtet, kommt es während dieser Blüte zu einem Frosteinbruch kann ein Absterben von Ästen eintreten.

Auch wenn so gesehen die Roßkastanien z. Z. nicht unmittelbar bedroht erscheinen, liegt durch eine langfristige Schädigung durch C. ohridella eine elementare Bedrohung, in Verbindung mit anderen Krankheitseregern und Schadfaktoren, durchaus im Bereich des Möglichen.
 

Fotos: Dr. Ch. Tomiczek, Wien
Textquellen: www.cameraria.de www.stadbaum.at • archiv kes
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