Um es gleich an Anfang
zu benennen: Was wir dringend benötigen sind Ernsthaftigkeit und
Nachhaltigkeit bei der Umweltbildung.
Es reicht nicht aus, einmal im Jahr den "Tag des Baumes" zu
begehen und einmal pro Herbst mit den Kindern Kastanien zu sammeln.
Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit gepaart mit Vorbildern. Diese fehlen
in den Kommunen, im Land, in den Schulen, Kindergärten und Kirchen.
Viele kennen außer dem Stammbaum und dem Weihnachtsbaum keine Gehölze.
Und was man nicht kennt, kann man auch nicht schützen, das interessiert
dann nicht.
Klar, der schnelllebige Zeitgeist spielt eine Rolle, RTL 2, pro 7 und
BILD prägen viele Menschen sehr einseitig und oberflächlich.
Natur wird nicht als Partner verstanden, vielmehr als Gegner, der
bekämpft oder zumindest in die Schranken gewiesen werden muss. Wenn
überhaupt noch Bäume geduldet werden, dann solche, die sich
unterwerfen lassen. Sie dürfen nicht wachsen, wie es ihrer Art entspricht.
Ihre Kronen werden radikal gekürzt, die Äste weggesägt,
einige Bäume werden Jahr für Jahr kleiner, bis sie ganz verschwunden
sind. Auch hier sind die Straßenbaubehörden und so manche Kommune
negativer Vorreiter.
Bäume werden verteufelt, sie schlitzen Autos auf und bringen
Menschen um, schreibt man gerne. Gegen diese Art der Berichterstattung,
gegen solche Totschlagargumente kann man nichts Gleichwertiges entgegen
setzen.
Umweltschützer werden verspottet, als Ideologen verteufelt. Dabei
haben diese Menschen weder einen persönlichen noch einen finanziellen
Vorteil von ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Ganz im Gegenteil. Diejenigen,
die sie verteufeln dagegen sind auf einer anderen Seite. Sie handeln aus
direktem oft persönlichen Interesse und missachten die Natur bewusst.
Sie sind die wahren Ideologen und Ignoranten.
Umweltschutz
ist uninteressant, wenn man damit in der Politik nicht punkten kann.
Bei Eröffnen
einer neuen Straße kann man glänzen, beim Erhalt eines Naturgartens
oder einer Allee nicht. So einfach ist das.
Viele Menschen hegen auf dieser Erde einen Alleinvertretungsanspruch.
Als seien sie nicht Teil des Ganzen. Sie können natürlich Vorgänge
wie Laubfall und Schatten nicht mehr akzeptieren, weil sie dafür
keinen Empfänger mehr haben. Und weil es ihnen die "da oben"
auch ganz anders vormachen.
Werden einer
großen Firma trotz Baumschutzverordnung die Bäume weggesägt,
damit die Fassade und das Firmenschild "baumfrei" sind, kann
nicht erwartet werden, dass die Bürgerin und der Bürger auf
ihrem Grundstück plötzlich den Sinn und Zweck einer Baumschutzverordnung
einsehen. Schlägt eine Verwaltung "Sichtschneisen" ohne
Not, damit ein Turm oder ein Schloss von allen Seiten gesehen werden kann,
obwohl in der Nähe für eine neue Autobahn ein ganzer Wald durchschnitten
wird, dann kann nichts Positives mehr erwartet werden. Das ist dann
Frevel in Reinkultur!
Werden auf dem Friedhof die großen Bäume umgesägt, damit
kein Laub mehr auf den Gräbern liegt, dann wird aus dem "letzten
Garten" ein seelenloses Grundstück, nicht viel besser, als ein
Parkplatz vor dem Supermarkt.
Werden bei Neubauplanungen
erst mal alle Bäume vorsorglich entfernt, damit sich leichter planen
lässt, muss sich niemand wundern, wenn dies Schule macht.
Wird ein Grundstück
vererbt oder verkauft, müssen erst mal die Bäume dran glauben,
damit aus dem Ganzen endlich wieder was "Sauberes, Ordentliches"
wird.
Unkenntnis,
falsche Vorbilder, Zeitgeist, mangelndes Verständnis wegen mangelnder
Kenntnis, hier liegen die hauptsächlichen Gründe des jährlichen
Baumfrevels.
Dabei muss gar
nicht jedes Mal auf die Zerstörung der letzten Urwälder hingewiesen
werden. Wie soll der Erhalt dieser gelingen, wenn es nicht einmal vor
der eigenen Haustüre möglich ist?
Der wahnsinnige
Bodenfraß gehört natürlich auch dazu. Es ist keinerlei
Wende in Sicht, im Gegenteil, mancherorts gewinnt man den Eindruck, als
stünden wir am Anfang der Pionierzeit.
Sollten solche
Sätze doch irgendwann Wirklichkeit werden: "Die Bäume gehen
den Menschen nur voran" oder "die Wälder sterben, die Menschen
folgen Ihnen" ?
Nur nicht aufgeben, aber der Einsatz ist schwer und eigene Fehler bleiben
nicht aus.
Nur die Sache steht
im Vordergrund, nicht die Menschen, die sie ausführen. Daran sollten
wir alle denken. Und jedes Mittel muss angesagt sein, wenn es darum geht,
für die Bäume, für die Natur zu streiten, im positiven
Sinne. Jede und jeder nach seinen Möglichkeiten.
Nicht zu vergessen
ist auch folgender Erkenntnis: "Wer nichts mehr tut, fühlt sich
auch nicht besser". Und wer nur dann etwas tut, wenn er persönlich
einen Vorteil davon hat oder direkt betroffen ist, darf sich wirklich
nicht als ernsthafter Naturfreund brüsten.
Das Thema "Baumschutz - Naturschutz" darf nicht zur Seite gelegt
werden, weil derzeit andere Probleme im Vordergrund stehen. Es bleibt
nämlich trotzdem ein lebenswichtiges Thema, zu allen Zeiten! Und
es muss gleichberechtigt und ernsthaft betrachtet und behandelt werden,
auf allen Ebenen.
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