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Eine
Norm für "Bruder Baum"
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Erstveröffentlichung in CONNEX Österreichische Fachzeitschrift für Normen, Heft 112 - April 2003 |
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tragen wesentlich zur Lebensqualität bei besonders in städtischen
Ballungsräumen. Sie geben Sauerstoff, spenden Schatten, kühlen
die Luft und binden Staub. Damit sie diese Funktionen erfüllen können,
müssen sie auch entsprechend gepflegt werden. Worauf dabei zu achten
ist, steht in der neuen ÖNORM L 1122. Ihr Ziel ist die Erhaltung eines gesunden, vitalen, verkehrssicheren und langlebigen Baumbestands, der alle Funktionen erfüllen kann. |
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Bäume sind ein kleines Wunder der Natur. Auch in Österreich werden einzelne Baumarten (zB Tannen) bis zu 40 Meter hoch und können ein Alter von 800 Jahren erreichen. Abweichend von ihren natürlichen Aufgaben im Wald haben sie im besiedelten Bereich andere, vom Menschen gewünschte Funktionen zu erfüllen. |
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Pflegemaßnahmen
im Wurzelbereich und in der Baumkrone und Sicherungsmaßnahmen werden
in der neuen ÖNORM L 1122 behandelt.
(Foto:Dr. Johannes Stern) |
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| Neben
ihrem Einsatz als gestalterisches Element leisten Bäume gerade in den
Ballungszentren auch einen großen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität:
Sie sorgen ua. für die Kühlung, Filterung und Erfrischung der
Luft, geben Sauerstoff ab, filtern und binden Staub und dienen als Schattenspender,
Sicht- und Lärmschutz. Im innerstädtischen Bereich, in Alleen, Innenhöfen von Wohnhausanlagen, Gärten und Parks, aber auch entlang von Verkehrswegen müssen sich Bäume besonderen, zum Teil von der Natur stark abweichenden, Lebensbedingungen anpassen. Meist sind der Standraum und damit die Entwicklung der Wurzeln eingeengt, ist der Boden durch, Schadstoffe beeinträchtigt, und es fehlt an ausreichender Wasser- und Nährstoffversorgung. Vielfach ist besonders im Bereich von Wohnhausanlagen oder entlang von Straßenzügen auch nicht genügend Freiraum für die Entwicklung der Baumkrone vorhanden. In dicht bebauten Gebieten sind Bäume besonders gefährdet. Sie weisen häufig geringe Vitalität auf, die vielfältige Ursachen haben kann (z.B. mechanische Beschädigung, Bodenverdichtung, Ab- und Aufgrabung im Wurzelbereich, falsche Sortenwahl). Gerade diese Umweltbedingungen und die Erwartungen, die wir in das städtische bzw. die Verkehrswege begleitende Grün setzen, erfordern besondere Maßnahmen, um einerseits den Baumbestand möglichst lange gesund zu erhalten, andererseits um Gefahren, die von den Bäumen ausgehen können. rechtzeitig zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. "Baumpflege" steht für das Bemühen, mit vegetationstechnischen Hilfs- und Schutzmaßnahmen die Entwicklung von Bäumen zu fördern und ihre Erhaltung zu sichem. Die Mehrzahl der auftretenden Baumschäden ist vermeidbar, wenn die Bäume regelmäßig kontrolliert und gepflegt werden. Ziel von Baumpflegemaßnahmen sind vitale, gesunde und verkehrssichere Bäume. Dies setzt ein ausreichend bemessenes, geschütztes und ökologisch funktionierendes Baumumfeld voraus. |
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Der
Weg zur ÖNORM Nach den Schlagzeilen zum Thema Waldsterben, saurer Regen usw. in den 70er und 80er Jahren wurde der Baum auch in den Siedlungsbereichen zum Thema. Wir sind zu nahe an diese Lebewesen herangekommen und damit haben die Probleme begonnen. Die Grundstücke, die durch den Menschen genutzt werden, sind kleiner geworden. Die darauf stockenden Bäume halten sich nicht an diese Entwicklung und hören auch an den neu geschaffenen Grenzen nicht auf zu wachsen. Neue Erkenntnisse über den Baum sind mit etwas Verspätung in den 90ern auch in Europa und Österreich aufge griffen worden. Gesetzeslagen wurden verändert und Klagen, die vermehrt bei Gerichten anhängig wurden, waren der Anlass, das Thema Baum auch in einer ÖNORM zu behandeln. |
| Totalversagen
eines Baums am Wiener Zentralfriedhof (Israelitische Abteilung): Durch Asphaltierungsarbeiten
wurden Jahre zuvor der Wurzelhals verletzt. Der Baum zeigte in der Vitalität
keinerlei Symptome und stürzte dann bei ganz geringer Windgeschwindigkeit
um, nachdem durch längere Regenfälle die Krone zu schwer geworden
war. Schaden etwa EURO 40.000,- (Foto:Ing. K.H. Walzer) |
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Die Streitfälle,
die bei Gericht landen, befassen sich meist mit Schadensersatzansprüchen
aus einem Unfall mit dem Baum. Die aufgeworfenen Fragen gipfeln darin, dass
für das "Baumversagen" Schuldige gefunden werden, die für
die Sache Baum" die Haftung übernehmen. Im Oktober 1999 hat die Idee, eine Norm zum Thema "Baumpflege und Baumsanierung" erstmals Gestalt angenommen. Vorher wurde selbstverständlich recherchiert, welche Normenwerke bereits vorhanden sind. So hat beispielsweise das American National Standard Institut (ANSI) in der Reihe 300 Normen, die das Thema Baum zum Inhalt haben. In Deutschland hat die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau in Bonn eine Arbeitsgruppe, die schon seit Längerem in regelmäßigen Abständen das Regelwerk ZTV-Baum" bearbeitet und neu auflegt. Auch seitens der Bundesinnung der Gärtner wurde ein Bedarf festgestellt. Neben Vertretern der Wissenschaft und der Behörden wurden auch die Praktiker und jene, die diese ausbilden, sowie aus den Reihen der International Society of Arboriculture (ISA), Chapter Austria, der nationalen Gesellschaft der Baumpflege, alle Spitzenfachleute in die Arbeit eingebunden. |
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Ziele
und Inhalte
Die Arbeit an der ÖNORM L 1122 "Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur - Baumpflege und Baumkontrolle" wurden immer wieder durch Ansprüche der Baumethik und die monetäre Seite des Fachgebietes hinterfragt. Wesentliches Element dieser ÖNORM ist eine baumschonende Vorgangsweise, wobei auch die Grenzen von Maßnahmen aufgezeigt werden. Die Herstellung und die Erhaltung eines gesunden, vitalen, verkehrssicheren, langlebigen Baumbestands, der alle Funktionen erfüllen kann, ist das Ziel der Baumpflege. Im besiedelten Bereich ist neben der Nutz- und Schutzwirkung von Bäumen vor allem die Wohlfahrts- und Erholungswirkung für den Menschen hervorzuheben. Die Grundlage ist ein ausreichend großer und geschützter ökologisch funktionierender Lebensraum für die Bäume. |
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Starkastbruch
am Währinger Friedhof, Wien. Durch falsche Schnittmaßnahmen
Jahre zuvor, ist es zu diesem Bruch bei einer Windgeschwindigkeit von
etwa 80km/h gekommen. Im Randbereich wurden Bäume entfernt und der
betroffene Baum konnte die veränderte Situation nicht mehr ausgleichen.
(Foto:Ing. K.H. Walzer)
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Diese Funktionen sind durch Neupflanzung auf längere Zeit nicht zu erreichen, weshalb die Bestände zu pflegen und auf ihren Erhaltungszustand zu kontrollieren sind. Voraussetzung für Pflegemaßnahmen ist eine fachkundige und vor allem regelmäßige Kontrolle der Bäume. Pflegemaßnahmen so wohl im Wurzelbereich wie in der Krone werden in dieser Norm beschrieben, wobei auch Sicherungsmaßnahmen in der Baumkrone behandelt werden. Auf ÖNORMEN als Stand des Wissens und der Technik wird im Streiffall letztendlich zu rückgegriffen. |
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Kronenreduktion,
wie sie immer wieder zu sehen ist. Kein Schneiden auf Zugast, Schnittführung
nicht aus Astkragen oder vor der Rindenleiste. Folgeschäden sind
programmiert. Der Baum ist jährlich zwei Mal zu beurteilen. Die Schnittmaßnahmen
sind nochmals zu korrigieren.
(Foto:Ing. K.H. Walzer) |
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| Dabei wird auch die Frage der Gewährleistung relevant. Bäume reagieren auf falsche Pflegemaßnahmen mit einiger Zeitverzögerung, bis es zum Baumversagen (z.B. Windwurfgefahr durch verringerte Standfestigkeit) mit allen Folgewirkungen auf sonstige Sachgüter kommt. Die ÖNORM L 1122 stellt eine gemeinsame Basis dar, den Wert von Bäumen für das Orts- und Landschaftsbild. das Kleinklima und für die Erholung der Bevölkerung sicherzustellen. | |
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Ing. Karl-Heinz Walzer, Landschaftsarchitekt ÖGLA; Dipl.-lng. Josef Winkler, Referent für den FNA 229 "Grünräume" |
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