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Kulturfrauen – Die „Trümmerfrauen“ des Waldes

Sie pflanzten in den Nachkriegsjahren dort Bäume, wo vorher nur Kahlflächen waren.

 

Kulturfrauen
Kulturfrauen, "Trümmerfrauen" des Waldes. Foto: NLF


(26.10.2015) Die Niedersächsischen Landesforsten nehmen das 70. Jahr nach Beendigung des 2. Weltkriegs zum Anlass, um auf die eindrucksvolle Leistung der Kulturfrauen und Förster bei der Wiederaufforstung des niedersächsischen Waldes hinzuweisen. „In Folge der starken Übernutzung der Wälder seit den 1930er-Jahren bis etwa 1950 entstanden in Niedersachsen unvorstellbare 140.000 Hektar Kahlflächen im Wald, in den Landesforsten allein 60.000 Hektar. Ohne die beeindruckende Arbeit der Kulturfrauen und Förster wäre eine Aufforstung in den Nachkriegsjahren nicht möglich gewesen“, hebt Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, die historische Leistung hervor.


Kulturfrauen
Kulturfrauen bei der harten Arbeit. Foto: NLF

Während des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer starken Übernutzung der Wälder in Niedersachsen. Zur Versorgung der Kriegsindustrie wurden 150 % des Zuwachses genutzt, damit fand hier bereits keine nachhaltige Holzernte mehr statt. Der Vorrat in den Wäldern reduzierte sich um 12 %, eine logische Folge der Übernutzung.

Nach Kriegsende verschärfte sich dann die Lage noch weiter. Um die deutsche Wirtschaft mit Rohstoffen zu versorgen und die Holzknappheit Großbritanniens zu schmälern wurde ein Teil der Reparationszahlungen mit dem „Zahlungsmittel" Holz beglichen. Dazu wurden von der britischen Militärforstverwaltung großflächig Waldbestände „vermarktet". Die britische Besatzungsmacht gründete 1946 die → North German Timber Control Commission (NGTC), um die Holzernte, 11 % des Gesamteinschlages, in ihrer Besatzungszone zu organisieren.
So verschlangen insbesondere die Wiederaufnahme der industriellen Produktion und der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude aber auch das Heizen mit Brennholz in den harten Nachkriegswintern Unmengen an Holz. Das Ergebnis dieser Übernutzung zeigte sich in rund 140.000 ha Kahlflächen. Besonders betroffen waren die Fichten- und Kiefernwäldern in Solling, Harz, Heide und Weser-Ems. Allein im Landeswald lässt sich eine Fläche von rund 60.000 ha ermitteln, davon waren 16.000 ha Fichten- und 38.000 ha Kiefernwälder.

 


Die Geschichte der Kulturfrauen gerät langsam in Vergessenheit.

Um die zurückgebliebenen Kahlflächen wieder aufzuforsten, bedurfte es anschließend großer Anstrengungen. Weil es an Arbeitskräften mangelte, wurden für diese Pflanzarbeiten sogenannte „Kulturfrauen“ eingesetzt.

50 Pfennig RückseiteDie Arbeitsgeräte der Kulturfrauen waren eine große Hacke und ihre bloßen Hände. Selbst wenn Schnee fiel, standen sie in schnurgeraden Reihen und pflanzten in schweißtreibender Arbeit junge Fichten und Kiefern in den nasskalten Boden. Oft waren sie länger als acht Stunden damit beschäftigt.

„Ohne diese Kulturfrauen, den Trümmerfrauen des Waldes, gäbe es wahrscheinlich den Wald, wie wir ihn heute kennen, nicht“, so Merker weiter.

Früher, bevor der Euro in Deutschland eingeführt wurde, zierte das westdeutsche 50-Pfennig-Stück eine → kniende Frau, die eine Eiche pflanzt - eine Wertschätzung der Arbeit der Kulturfrauen. Sie mussten eine enorme Herausforderung bewältigen, da nach dem Krieg Saatgut, Pflanzgeräte und natürlich Geld fehlten. Die Landesforsten wünschen sich ein Comeback des Geldstücks. Die Förster wollen eine Petition starten. Das Ziel: eine Euromünze mit einer Frau, die Bäume pflanzt.
(red/NLF)


Weitere Informationen:

 

Die Übernutzung der Wälder Niedersachsens in Folge des zweiten Weltkrieges

Zwangsexport (ZEIT ONLINE Archiv 1947)

Holzhacker in Uniform (DER SPIEGEL 8/1947)

Verein "Frauen im Forstbereich"

 

Fotonachweis:
Abbildung Rückseite 50 Pfennig
Quelle: Wikimedia Commons / CC0 1.0

 

 

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