Es sind nicht wenige Menschen, die große Bäume am liebsten aus Städten und Gemeinden völlig verbannen wollen. Angst vor umfallenden Bäumen, Ärger über die natürlichen Vorgänge wie Laubfall oder Samenflug, den Schatten der Bäume und überhaupt, dass sie Platz wegnehmen, z.B. für Garagen, Parkplätze oder sonstige Flächen sind einige Gründe dieser Baumfeindlichkeit.
Die positiven Wirkungen, die gerade von großen Bäumen innerhalb der bewohnten Bereiche ausgehen, werden ignoriert, vergessen, verdrängt das interessiert längst nicht mehr. Viele Menschen haben sich soweit von unserer gemeinsamen Natur entfernt, dass diese im täglichen Leben nicht mehr wahrgenommen wird. Äpfel kauft man im Supermarkt, Pflücken am eigenen Baum, warum das denn? Zudem sehen Äpfel aus Übersee auch viel schöner aus.
Die Bayerische Staatsregierung hat diesen Trend wohl erkannt und nutzt diese für Bäume negative Stimmung. Im Rahmen von Entbürokratisierung wird empfohlen, Baumschutzverordnungen wieder abzuschaffen. Wer die Diskussionen vergangener Jahre noch kennt, wird sich allerdings nicht wundern. Denn der Schutz der Bäume vor Ort per entsprechender Satzung wurde seitens der CSU noch nie gerne gesehen. Immer wieder wurden Scheinargumente dagegen aufgeführt, die doch nur ein Ziel hatten: Bäume per Satzung nicht nachhaltig zu bewahren.
Dabei haben Baumschutzverordnungen durchaus positive Auswirkungen. Vor allem dann, wenn diese konsequent angewandt werden. Das ist Voraussetzung. Sie sind kein Wundermittel, aber sie können nachhaltig helfen, dass nicht unnötig für alle Menschen wichtiges Grün verloren geht. Dies heißt nicht, dass gefährliche, kranke Bäume nicht beseitigt werden dürfen, begründete Freigaben sind längst selbstverständlich. Dafür gibt es aber dann Ersatzpflanzungen. Grundsätzlich erhalten Bäume durch die Verordnungen den Status schützenswerter pflanzlicher Lebewesen und darauf kommt es an. Das Baumbewusstsein" wird durch diese Form des Baumschutzes gefördert. Sicher wäre es allemal schöner, ohne solche Satzungen auszukommen. Langjährige Erfahrungen aber zeigen, dass die freiwillige Bereitschaft zum Baumschutz nur lückenhaft vorhanden war und ist.
Abbau von unnötiger Bürokratie ist ein gewiss wichtiges Ziel. Und da gäbe es so viele Bereiche des tägliches Lebens, wo angefangen werden könnte und müsste. Die Baumschutzverordnungen gehören nicht dazu. Denn wer muss schon mehrmals im Jahr Fällungen beantragen? Das Personal in den Ämtern wird mit dem Vollzug nicht übermäßig belastet. Aber das Signal, dass von der Forderung nach Abschaffung der Baumschutzverordnungen ausgeht, ist verheerend: Hier wird nämlich alles getan, um die Notwendigkeit des Baum- und Naturschutzes in Frage zu stellen! Das ist nachlässig, wenn nicht zukunftsfeindlich.
Denn was soll das ganze Geschwafel von Klimaschutz, von Nachhaltigkeit, von Umweltbildung, wenn die Bereitschaft fehlt, dafür auch etwas zu tun, z.B. die sinnvollen Baumschutzverordnungen beizubehalten, sie zu nutzen, die Menschen dafür zu gewinnen und weitere Kommunen zu überzeugen, diese einzuführen?


Horst Schunk
96450 Coburg

Grafik:arboristik.de
 
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