In 20 Jahren keine großen Bäume mehr?


Wenn sich bezüglich der allgemeinen Baumfeindlichkeit die Entwicklung nicht grundlegend verändert, wird es wohl in 20 Jahren innerhalb der Städte und Gemeinden keine wirklich großen Bäume mehr geben.
Weder im Bereich von Wohnanlagen, Hausgärten, noch an Straßenrändern; auch nicht auf Friedhöfen.
Zwar fallen schon seit Jahrmillionen die Blätter von den Bäumen, auch Baumschatten gibt es, solange diese Pflanzen auf unserer Erde beheimatet sind.
Nur, die Menschen selbst haben für diese natürlichen und notwendigen Vorgänge immer weniger Verständnis. Die Kluft zwischen Mensch und Restnatur wird immer größer. Und diese Kluft wird zudem noch nachhaltig gefördert.
Und so kommt es, dass die Vetreterinnen und Vertreter der politischen Senate in Städten und Gemeinden immer häufiger mit Fällwünschen wegen des Schattens, wegen des Laubes konfrontiert werden - und leider auch zu oft nachgeben.
So kommt es, dass innerhalb der Wohnanlagen (auf Wunsch) immer wieder die großen Bäume heraus genommen werden. Renovierungsarbeiten sind ein guter Grund. Oder aber sie werden so stark zurück geschnitten, dass es sich nicht um Pflegeschnittmaßnahmen handelt, sonder eher um Verstümmelungen, an denen die Bäume letztlich auch kaputt gehen (was wohl eher nicht bedauert wird).
Straßenbäume erleiden viel zu oft ein ähnliches Schicksal. Vor allem dann, wenn die Bäume eben Pappeln, Birken, Erlen oder Weiden sind. Sie gelten heute mehr denn je als "unrein", als standortfremd, als gefährlich. Man attestiert beispielsweise den Pappeln eine Lebenszeit von 50 oder 60 Jahren, auch wenn in jedem Naturlehrbuch nachzulesen ist, dass diese Baumart locker 100 bis 120 Jahre alt werden kann. Bei entsprechender Pflege dürften dann diese Bäume kein Problem mehr darstellen. Wenn sie denn ins Bild passen würden. Es wird sowieso im Zweifelsfall immer mit dem Totschlagargument argumentiert, die Bäume seien eine Gefahr für die "Menschen". Egal, ob das nun fachlich so festgestellt wurde oder nur unfachlich in den Wind gesprochen wurde, Totschlagargumente zeigen immer ihre Wirkung. "Vorsorgliche" Fällungen sind die Folge.
Peinlich wird es einmal im Jahr, am "Tag des Baumes". Dann hören wir das nicht ernst gemeinte Gerede von der Notwendigkeit dieser Bäume.
Auch der Vollzug der Baumschutzverordnungen - soweit es welche gibt - lässt zuweilen Zweifel hochkommen, ob dies mit der Verordnung so gemeint war.
Natürlich gibt es Gründe zu Fällen und deshalb müssen Ausnahmegenehmigungen auch sein. Doch wenn die große Mehrheit aller Fällanträge positiv bewertet werden, sind Baumschutzverordnungen kaum noch das Papier wert, auf dem sie stehen.
Und so kommt es eben, dass immer häufiger "Waldfriedhöfe" ohne Bäume zu sehen sind, Grünanlagen lichten sich mehr und mehr. Dafür zieht Beton in die Grünanlagen und Gärten ein. Ein Landschaftsgärtner drückte dies kürzlich so aus: "Ich werde immer mehr zum Betongärtner!"
Und in der Tat, wenn auch "Gartenseiten" alle Arten von Betonbollern und Kugeln angeboten werden, aber keine Landschaftsbäume mehr, dann wird bewusst, wohin die Reise geht: Kein Platz für große Bäume!
Dazu kommen Wünsche nach freier Sicht in alle Richtungen, Wünsche nach immer neuen und alten Sichtbeziehungen. Breite Verkehrswege in alle Himmelsrichtungen versiegeln das Land und entgrünen die Landschaften.
Letztlich werden alle baumfeindlichen Aktivitäten nachgeahmt, die Bäume fallen immer häufiger und immer schneller.
Wenn der Nutzen und die Notwendigkeit von großen Bäumen nicht mehr erkannt werden, zeigen sich unsere Kommunen eben immer baumfreier. Ob dies dann letztlich eine erhöhte Lebensqualität mit sich bringt muss stark bezweifelt werden. Der Modetrend weg mit den Bäumen" entwickelt sich zu einem echten, nachhaltigen Baumbestandsproblem.
Es darf gedreht und gewendet werden, wie man möchte, aber es bleibt eine Tatsache, dass kleine, kugelige und putzige Modebäumchen für große Landschaftsbäume niemals einen Ersatz darstellen können.
Dies darf eigentlich niemanden, der Verantwortung trägt oder tragen möchte, kalt lassen. Ansonsten wäre der Vorwurf, zumindest nachlässig zu handeln, überaus berechtigt.
Die Zeit ist überfällig, laut und deutlich zur allgemeinen Baumzerstörung n e i n zu sagen und mit gutem Beispiel voran zu gehen.

Wann denn, wenn nicht heute?

Horst Schunk - Kasernenstraße 22 - D-96450 Coburg

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