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Zusammenfassung:
SIB unterscheidet
vier Kronenformen, die es in Verkehrsnähe so tief beastet nicht gibt.
Bei SIB haben alle Bäume in der Stadt angeblich die gleiche Windsituation!
Die Windlasten werden auf der Grundlage von Vorschlägen" für
den Cw- Wert berechnet. Sollstammdurchmesser werden mit der
Biegetheorie berechnet, ebenso Sollwandstärken beim hohlen Baum,
ohne dass die versagenstypischen Schubrisse und das Schlauchknicken berücksichtigt
würden.
Daher dürfen
nach SIB theoretisch(!!) die Bäume viel hohler sein, als es in den
Feldstudien der VTA-Methode praktisch durch reine Naturbeobachtung festgestellt
wurde.
Die SIB-Methode
(ehemals als SIA eingeführt), wird von Wessolly und Erb im Handbuch
der Baumstatik beschrieben [1]. Sie wurde von uns kritisch bewertet und
das Ergebnis soll hier nach unserem Verständnis im Wesentlichen vorgestellt
werden.
Es fällt
auf, dass die Methode eigentlich das Ende einer Baumuntersuchung ist,
nämlich die Bewertung des Risikos mit Versagenskriterien. Die Methode
enthält keinen visuellen Symptomkatalog, wie er von VTA geboten wird.
Sie will helfen,
Soll-Stammdurchmesser und Sollrestwandstärken, letzteres im hohlen
Baum, zu berechnen.
Nachfolgend
werden die einzelnen Rechenschritte der Methode nach unserem Verständnis
beschrieben und kommentiert.
In [1] wird
nur der formale Ablauf vorgegeben, man schickt den Leser von Diagramm
zu Diagramm, ohne dass der Hintergrund - so wie er hier ausgeführt
wird - beschrieben worden wäre.
1. Windlastabschätzung:
Es werden vier Standard-Kronenformen
von Bäumen angegeben, die so ähnlich aussehen wie in Abb.
1. Mit ihrem niedrigen Kronenansatz können sie eigentlich
nur mit perfektem Höhe/Durchmesser-Verhältnis (H/D) in der freien
Landschaft vorkommen, nicht in der Stadt. Bei Bäumen dieser Art würde
man einen H/D-Wert von 25 bis 35 erwarten und nie ein Schlankheitsrisiko.
Bäume mit
Lichtraumprofil und extrem schlanke Bäume (Abb.
2) finden sich nicht im SIB-Katalog [1]. Es werden drei Standorte
definiert: Land, Dorf, Stadt, die [1] zufolge für alle Bäume
jeweils gleiche Windsituationen haben sollen. Dass Bäume vor und
hinter Häusern (Abb.
3) mit völlig verschiedenen Windlasten stehen können,
wird ignoriert. Auch die Windunterschiede z.B. in Mulden und auf Hügeln
in freier Landschaft werden durch die Klassifikation "Land"
einfach weggebügelt.
Bäume legen je nach Baumart und individueller Kronenarchitektur im
Sturme zunehmend die Ohren an und reffen die Segel, verändern auch
die Blattform all dies wird angeblich in nicht nach vollziehbarer
Weise pauschal berücksichtigt und ein VORSCHLAG (!!), also eine wohl
unbewiesene Behauptung für den Luftwiderstandsbeiwert Cw
(S. 219 in [1]), angegeben auf die zweite Stelle hinter dem Komma für
Orkan (!!), rundet die Mutmaßungen über die Windlast ab.
Sommer- und
Winterlinde z.B. haben große bzw. kleine Blätter, beide haben
aber nach [1] den Vorschlag Cw = 0,25 und das will wissenschaftlich
meinen, weder Cw = 0,24 noch 0,26, sondern genau 0,25.
2. Schlankheitsgrad:
Bei gegebener Baumhöhe
H und mit Holzdruckfestigkeiten aus dem Stuttgarter Festigkeitskatalog
berechnet man dann mit dem Windbiegemoment einen bei Orkan 100% sicheren
Soll-Stammdurchmesser mit der BIEGETHEORIE, wobei u.E. ein kreisförmiger
Stamm unterstellt wird.
Individuelle
Festigkeitsminderungen an Astanbindungen etc. werden wohl nicht berücksichtigt.
Ist der Stamm des real untersuchten Baumes dicker als der Sollwert, hat
er Sicherheitsreserven und darf hohl sein.
3. Hohle
Bäume:
Ebenfalls aus der
Biegetheorie - diesmal für Rohre - wird in [1] dann eine Sollwandstärke
berechnet. Nach unserem Verständnis ist das jener Höhlungsgrad,
bei dem die Biegespannung wieder den kritischen Festigkeitswert aus dem
Stuttgarter Festigkeitskatalog erreicht.
Es wird also
Versagen durch reinen Biegebruch unterstellt! Daraus wird eine Soll-Wandstärke
des untersuchten Baumes berechnet.
Damit steht
der Anwender nun vor seinem Baum, meint aus einer u.E. auf Mutmaßungen
und unbewiesenen Behauptungen aufgebauten Windlastabschätzung zu
wissen, wie dick sein Baum mindestens sein muss und welche Restwand er
haben dürfte, wenn er dicker als der minimale Solldurchmesser wäre.
Aber da die
Wandstärkevermessung durch Bohrung nicht Bestandteil von SIB ist,
kann er nicht bestimmen, wie groß die IST-Wandstärke des Kandidaten
ist. An einem Baum mit geschlossenem Querschnitt kann man keine Restwand
ertasten, erstochern und somit genau wie die Windlast auch die IST-Wandstärke
nur "Mutmaßen" !!
4. Versagenskriterium:
Sowohl der Solldurchmesser
im nicht-hohlen Baum als auch die Sollwandstärke im hohlen Baum,
werden daraus berechnet, dass die Biegespannung ihren kritischen Wert,
die Holzfestigkeit, sei es Druck- oder Biegefestigkeit, erreicht. Es wird
reines Biegeversagen eines kreisrunden oder zumindest sich während
der Belastung nicht zerlegenden Querschnittes unterstellt.
Und genau diese
Annahme ist meistens falsch. Hohle Bäume versagen erst durch Längsrissbildung,
zerbrettern und dann versagen sie schlussendlich durch Biegebruch der
einzelnen Segmente (Abb. 4a,
4b, 4c
und 4d). (Das
Versagen des geschlossenen Querschnittes durch Biegebruch kann zwar als
Lastobergrenze dienen, wenn es gilt, baumnahe Objekte zu dimensionieren,
für das Baumversagen gilt aber der untere Grenzwert der Versagenslast
und nicht der obere!).
Nur so kann
u.E. die Sicherheit gegen Objektversagen (Gasleitung, Haus etc.) einerseits
und gegen Baumversagen andererseits gewährleistet werden.
5. Risiken?
Selbst wenn man unterstellte,
dass die Windlastabschätzung richtig wäre und dass die IST-Wandstärke
durch eine Bohrung als gleich der Sollwandstärke nachgewiesen
wurde, ist der Baum dann sicher?
Nach SIB [1] S. 155-157 ist eine Eiche mit Höhe H= 29 m, Stammdurchmesser
(Holz) D= 136 cm, voll mit kugeliger Krone versehen, Sollwandstärke
t= 4,75 cm, 100%ig sicher im Orkan!!
Abb.
5 zeigt die Querschnitte. Nach Wessolly und Erb [1] ist der linke
93% hohle Querschnitt 100% sicher.
Nach VTA [2,
3] ist der rechte Querschnitt, der nicht berechnet, sondern durch Naturbeobachtung
aus Feldstudien gefunden wurde, beim vollbekronten Baum nicht mehr sicher.
Es bedarf einer moderaten Kroneneinkürzung in der Höhe
keiner Fällung! um die Sicherheit wieder herzustellen.
Es bleibt nun
dem Leser überlassen, welche Methode er mit seiner Daseinserfahrung
und seinem gesunden Menschenverstand am besten in Einklang bringen kann.
Bei der Baumdiagnose
durch Zugversuch liegt übrigens auch das Versagen durch Biegebruch
zugrunde genau wie bei SIB. Dasselbe Versagenskriterium! Kein Schubriss,
kein Schlauchknicken, und daher dieselben dünnen Wandstärken!
6. Referenzen:
[1] L. Wessolly,
M. Erb, Handbuch der Baumstatik und Baumkontrolle, Patzer Verlag 1998
[2] C. Mattheck, K. Bethge, D. Erb, Failure Criteria for Trees, Arboricultural
Journal (1993), 201- 209
[3] C. Mattheck, Warum alles kaputt geht, Verlag Forschungszentrum Karlsruhe
GmbH, 2003
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